Fernrohre für die Vogelbeobachtung — Ein subjektiver Vergleich der Spitzenprodukte von Kowa, Leica und Swarovski

Fazit: Bei diesen 3 Spitzenprodukten von Kowa, Leica und Swarovski gibt es optisch kaum Unterschiede, im Handling aber schon — Ein sehr subjektiver, persönlicher Vergleich dieser Fernrohre (Spektive) bringt es an den Tag, dass ich bei meinem Produkt bleiben werde.

Diese Tage hatte ich Gelegenheit, drei aktuelle, moderne Fernrohre der renommierten Hersteller Kowa, Leica und Swarovski einem kurzen Vergleich zu unterziehen. Beim Vögel beobachten gab es bei Gruppenexkursionen immer wieder Gelegenheit für Vergleiche, doch wollte ich schon seit längerem alle bekannten Produkte in Ruhe vergleichen zu können, ein Wunsch, der verstärkt wurde, nachdem die Firma Leica mit Sitz in Wetzlar 2025 eine neue Version ihres Spektivs «Apo-Televid 82» auf den Markt gebracht hatte.

Ich danke Fabian Gasser von Roost Augenoptik AG →, Schaffhausen, für die mir gebotene Möglichkeit eines Vergleichs, für den er das neue Leica Apo-Televid 82 und das Swarovski ATX 85 zur Verfügung stellte. Ich brachte dazu meine Fernrohre mit: Das Kowa TSN-88S Prominar und das alte Leica Apo-Televid 77 mit 32-er Weitwinkel-Okular.

Auf dem Balkon im 2. Stock der Roost Augenoptik AG installierten wir die Spektive nebeneinander. Sie waren alle mit Zoom-Okularen ausgestattet:

— Kowa TSN-88S mit dem Okular TE-11 WZII 25-60x TE
Leica Apo-Televid 82 mit dem Okular 25-50x WW ASPH.
Swarovski ATX Okularmodul 25-60x

Mit den Frontdurchmessern von 82mm (Leica), 85mm (Swarovski) und 88mm (Kowa) unterschieden sich die drei Fernrohre nur wenig von der Menge des «einfallenden» Lichts.

Vorne das Swarovski ATX 85 in der Mitte das Leica Apo Televid 82 und hinten das Kowa TSN-88S Prominar.

Mein erstes Fernrohr war 1972 ein Kern Alpivist 28x

Ich bin seit Mitte der 1960er Jahre ornithologisch unterwegs. Mit dem gesteigerten Interesse an der Vogelbeobachtung kaufte ich 1972 mein erstes Fernrohr, ein Kern Alpivist mit 28x Okular. Dieses Fernrohr eröffnete mir ganz neue, ungeahnte Erfahrungen in der Vogelbeobachtung und war fortan mein ständiger Begleiter bis anfangs der 1990er-Jahre. Damals zählten die Produkte der Schweizer Firma Kern, mit Sitz in Aarau, zu den besten weltweit. Die japanischen Produkte von Admiral, jene von Bausch & Lomb aus den USA, Swarovski aus Österreich oder von Leitz aus Deutschland kamen punkto Optik und Qualität nicht an das Kern heran. — Das Kernfernrohr konnte nur mittels massivem Metalldorn auf einem sehr schweren Holzstativ der Firma Kern befestigt werden. Die heute üblichen Stativschellen waren damals noch nicht vorhanden.

Ab 1999 beobachtete ich mit dem neuen Leica Televid 77 Gerade-Einblick und ab 2001 mit dem Leica Apo-Televid 77, beide mit dem 32er-Weitwinkel-Okular. Im Jahr 2010 brachte Leica ein ganz neues Fernrohr, das Apo-Televid 82 mit dem Okular 25-50x heraus, welches mich fortan auf meinen Exkursionen begleitete. Nachdem ich dieses Fernrohr 2024 verkauft hatte, ersetzte ich es durch das neue Kowa Prominar TSN-88S mit dem 25-60x Weitwinkel-Okular und dem optional erhältlichen Extrem-Weitwinkel-Okular TE-80XW mit 35-facher Vergrösserung.

Verkaufsprospekt aus den 1960er Jahren der Firma Kern, Aarau.

Mein 25 Jahre altes Leica Apo-Televid

Sehr spannend war für mich, dieses alte Leica Fernrohr mit den aktuellen Spitzenprodukten vergleichen zu können. Auf dem Foto sind die Gebrauchsspuren auf dem Metall-Fernrohrkörper sichtbar. Die Gläser und die Technik im Innern sind davon nicht betroffen. Alles läuft nach wie vor «rund» und die optische Leistung des Fernrohrs ist immer noch sehr gut.

Ein persönlicher und subjektiver Vergleich

Der Vergleich aller vier Fernrohre fand bei hochnebelartig bewölktem Himmel und angenehmen Temperaturen statt. Als Fixpunkte der Beobachtung dienten, mit Blick auf das Obertor, die mit Moos bewachsenen Dachziegel und Fassadenverkleidungen aus Holz von schaffhauser Altstadthäusern. Die filigranen Strukturen eigneten sich sehr gut zur Schärfen- und Auflösungsbestimmung der Fernrohre. Die Vergleiche fanden während einer Stunde statt. Es gab weder eine Checkliste zur Prüfung bestimmter Punkte, noch wurden die Wahrnehmungen schriftlich festgehalten.

Die Vergleiche sind rein persönlich und subjektiver Natur und dienten vor allem zur Wahrnehmung von Helligkeit, Kontrast, Schärfe, Randauflösung sowie dem Handling.

Zwei Fernrohre waren auf einem Stativ der firma "Leofoto" aufgebaut, das Kowa Fernrohr auf einem kleinen Reisestativ von "Sirui". Sie wurden mit Wechselplatten auf den Stativköpfen befestigt (alle 3 von Leofoto).

Kowa TSN-88 S

  • Helle bis sehr helle, kontrastreiche Abbildung mit einem eher warmen Farbton
  • Schärfe sehr gut bis zum Rand
  • Am Bildrand keine chromatischen Abberationen bemerkt
  • Ganzer Fernrohrkörper aus 100% Magnesiuml-Legierung, sehr gut verarbeitet
  • Okular mit Knopfdruck wechselbar, hochwertig verarbeitet, ausziehbare Augenmuschel wirkt weniger wertig
  • Schärfeneinstellung analog Leica mit zwei kleinen, unterschiedlich übersetzten Rändelschrauben. Diese können mit einem Finger sehr leicht und flüssig bedient werden.
  • Einstellung der Vergrösserung (25 bis 60x) am Okular läuft leicht und mit angenehmem Widerstand

Leica Apo-Televid 82 (2025)

  • Helle, kontrastreiche Abbildung mit einem eher warmen Farbton
  • Schärfe sehr gut bis zum Rand
  • Am Rand sehr leichte, grüne chromatische Abberation, die aber nicht stört
  • Ganzer Fernrohrkörper gummiarmiert, hochwertig verarbeitet
  • Okular mit Knopfdruck abnehmbar, sehr hochwertig verarbeitet
  • Schärfeneinstellung mit zwei unterschiedlich stark übersetzten Rändelschrauben am Objektivkörper. Mit «aufgelegter» Hand sehr leicht mit einem Finger zu bedienen.
  • Einstellung der Vergrösserung (25 bis 50x) am Okular flüssig und angenehm laufend.

Swarovski ATX 85

  • Sehr helle, kontrastreiche Abbildung mit einem eher kühlen Farbton
  • Schärfe sehr gut bis zum Rand
  • Am Rand sehr leichte, grüne chromatische Abberation, die aber nicht stört
  • Ganzer Fernrohrkörper gummiarmiert
  • Schärfeneinstellung mit im Objektivkörper integrierten Drehring. Dazu ist die ganze Hand erforderlich. Leicht laufender Drehmechanismus
  • Einstellung der Vergrösserung (25 bis 60x) am Objektivmodul eher zäh als flüssig laufend

Pro & Cons: Kowa TSN-88 S

+  Sehr gute Abbildungsleistung und Schärfe
+  Sehr gute Verarbeitung
+  Schärfesteinstellung
+  Zoom-Einstellung am Okular
+  optionale Okulare erhältlich
+  auch mit Schräheinblick erhältlich
+  ausziehbare Gegenlichtblende

–  Augenmuschel wirkt weniger wertig

Pro & Cons: Leica Apo-Televid 82

+  Sehr gute Abbildungsleistung und Schärfe
+  Sehr gute Verarbeitung
+  Sehr hochwertig verarbeitetes Okular
+  Schärfeeinstellung
+. Zoomeinstellung am Okular
+  Kompakte Bauweise
+  ausziehbare Gegenlichtblende

–  Okularschutzdeckel
–  Allg. kaum besser als Vorgänger
–  nur mit Schrägeinblick erhältlich

Pro & Cons: Swarovsky ATX 85

+  Top Abbildungsleistung und Schärfe
+  Sehr gute Verarbeitung
+  Okular-Schutzdeckel
+  ausziehbare Gegenlichtblende
+  modulares Produktsystem

–  Schärfeneinstellung am Tubus
–  Zoom zähflüssig

Die Abbildungsleistung nimmt bei Kowa und Swarovsky ab 50-facher Vergrösserung erwartungsgemäss ab.
Leica scheint dies erkannt zu haben, da ihr Okular einen Zoom von 25 bis 50 umfasst und nicht bis zu 60 geht,
wie bei den anderen Produkten.

Mein persönliches Fazit: Ich behalte mein Kowa TSN-88

Aus meinem subjektiven Vergleich gebe ich für die herausragende optische Leistung dem Swarovski einen hauchdünnen Vorsprung gegenüber den anderen Produkten. Mir scheint, dass das neue Leica am wenigsten hell und kontrastreich auflöst, aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. — Einmal mehr kann ich bestätigen, dass ich das Swarovski-Spektiv nicht kaufen würde. Das Handling mit der Schärfeneinstellung am Objektivkörper (es wird die ganze Hand benötigt) und der zäh laufende Zoomring sind gewöhnungsbedürftig und für mich nicht optimal.

Das neue Leica (auf dem Markt seit 2025) hat mich in dem Sinne überrascht, als dass ich optisch eine wesentlich verbesserte Leistung «erwartet» hätte. Aus meiner Betrachtung wirkt es gegenüber seinem Vorgänger in Erinnerung weder besser noch schlechter. Ob hier nur äusserlich etwas «Kosmetik» betrieben wurde? Erstaunlich ist zudem, dass es die Leica-Ingenieure erneut nicht geschafft haben, ihrem neuen Spektiv eine feldtaugliche Okularabdeckung zu verpassen. Da diese nicht mit einem Riemen oder einer Schnur gesichert werden kann, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der sehr teure Kunststoffdeckel verloren geht.

Das Kowa TSN-88 vereint für mich alle Aspekte eines hervorragenden Spektivs: Super Abbildung, sehr gute Verarbeitung und ausgezeichnetes Handling. Das optional erhältliche Extrem-Weitwinkel-Okular mit 35-facher Vergrössung von Kowa ist atemberaubend. Es gibt nichts Vergleichbares auf dem Spektivmarkt. Ich freue mich, weiterhin mit diesem Fernrohr unterwegs zu sein.

Zum Schluss möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mein 25 Jahre altes Leica Apo-Televid 77, trotz der im Vergleich zu den anderen hochmodernen Produkten am wenigsten Lichtstärke vereint, in meinem Vergleich nur wenig zurückgefallen ist. Das 32-fache Okular ist immer noch hervorragend und die Abbildungsleistung ausgezeichnet.

Einfach gelöst: Durch die Öse am Objektivschutzdeckel des Kowa-Okulars ist eine sichere Befestitung am Objektivkörper möglich.

Hinweis: Leica bietet mit neben den «Apo-Fernrohren» auch eine günstigere «HD-Version» an. Beide sind mit 82mm und 65mm Frontdurchmessern erhältlich, allerdings nur mit Schrägeinblick. Auch Kowa hat mehrere Produktvarianten im Angebot, das bis zu einem Fernrohr mit 99mm Frontdurchmesser geht, umgekehrt auch kleinere Modelle mit 66 und 55mm Frontdurchmesser. Die Produktpalette von Swarovski ist auf einem modularen System aufgebaut. Alle Firmen bieten optionale Produkte für das Digiscoping an.