{"id":7194,"date":"2012-12-01T00:00:01","date_gmt":"2012-12-01T00:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/stephantroesch.ch\/?page_id=7194"},"modified":"2024-12-05T18:16:38","modified_gmt":"2024-12-05T18:16:38","slug":"ueberwinternde-grosse-brachvoegel-am-bodensee-im-banne-von-frost-und-nahrungsdruck","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stephantroesch.ch\/index.php\/blog\/shorebirder\/ueberwinternde-grosse-brachvoegel-am-bodensee-im-banne-von-frost-und-nahrungsdruck\/","title":{"rendered":"\u00dcberwinternde Grosse Brachv\u00f6gel am Bodensee im Banne von Frost und Nahrungsdruck"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_single_image image=&#187;7198&#8243; img_size=&#187;full&#187; css=&#187;&#187;][vc_column_text css=&#187;&#187;]<\/p>\n<h1>\u00dcberwinternde Grosse Brachv\u00f6gel am Bodensee im Banne von Frost und Nahrungsdruck<\/h1>\n<h3>Am 01.02.2012 wurde das bis dahin recht milde Winterwetter abrupt durch nach Mitteleuropa einfliessende Polarluft abgel\u00f6st. Mit einem massiven Temperatursturz herrschen seither Temperaturen von -6\u00b0 bis -16\u00b0C im Flachland, begleitet von einer starken, mit bis zu 7 Beaufort wehenden Bise.<\/h3>\n<p>Die Eisbildung der Seeufer liess nicht lange auf sich warten. Mittlerweile sind schon auch Teile des Bodensees zugefroren, wie z. B. am Untersee, und die B\u00f6den sind weiterhin schneebedeckt sowie pickelhart gefroren. Dies sind ausgesprochen schlechte Zeiten f\u00fcr V\u00f6gel, insbesondere auch f\u00fcr jene G\u00e4ste, welche das Winterhalbjahr im sonst klimatisch gem\u00e4ssigten Bodenseeraum verbringen.<\/p>\n<p>Der Grosse Brachvogel z. B. hat in den letzten 50 Jahren parallel zur Klimaerw\u00e4rmung als Wintergast am Bodensee wie auch an anderen Stellen in der Schweiz deutlich zugenommen. Dies wurde in den Jahren 1999-2003 mit einem bodenseeweiten Projekt mit w\u00f6chentlichen Z\u00e4hlungen an den Schlafpl\u00e4tzen des Brachvogels aufgezeigt.<\/p>\n<p>Derzeit verbringen jedes Jahr mehr als 1000 Brachv\u00f6gel den Winter am Bodensee. Tagespl\u00e4tze zur Nahrungssuche und Schlafpl\u00e4tze liegen meist in unmittelbarer N\u00e4he, damit m\u00f6glichst wenig Energie f\u00fcr weite Flugstrecken verbraucht wird. Solche Orte liegen im Vorarlberger Rheindelta (mit bis zu 1200 Ind.), im Gebiet zwischen Arbon und Engach (gr\u00f6sster Schlafplatz der Schweiz mit bis zu 850 Ind.), im Ermatinger Becken\/Wollmatinger Ried (mit bis zu 250 Ind.) und bei Moos-Iznang(mit bis zu 160 Ind.). Frost und Schneelagen beeinflussen das Verhalten der Brachv\u00f6gel erheblich und erschweren die Nahrungssuche ganz massiv. Die Hauptnahrung der Brachv\u00f6gel besteht aus Regenw\u00fcrmern, die sich bei Frost in tiefere, selbst mit den langen Bogenschn\u00e4blen nicht mehr erreichbare Schichten zur\u00fcckziehen.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_single_image image=&#187;7197&#8243; img_size=&#187;full&#187; css=&#187;&#187;][vc_column_text css=&#187;&#187;]Der durch Frostphasen verursachte Nahrungsdruck f\u00fchrt Brachvogel oft in Siedlungsn\u00e4he, wo die etwas w\u00e4rmere Umgebung besseren Zugang zu Nahrungsquellen verspricht. So hielten sich am 04.02.2012 bei Arbon TG rund 95 Brachv\u00f6gel mitten in einem Wohnquartier auf einer Wiese auf. Als einzige Nahrung konnten kleine Beutest\u00fccke von 1-2 cm L\u00e4nge beobachtet werden, wie erwartet aber keine Regenw\u00fcrmer. Dabei k\u00f6nnte es sich um die Larven der Kohlschnake (Tipulidae spec.) handeln, wie sie als Nahrung in verschiedenen Untersuchungen ebenfalls nachgewiesen wurde oder auf dem nebenstehenden Foto vom 04.02.2012 bei Arbon TG m\u00f6glich erscheint. Die Larven der 2. Generation \u00fcberwintert im Boden (siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kohlschnake\">Kohlschnake<\/a>).[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_single_image image=&#187;7200&#8243; img_size=&#187;full&#187; add_caption=&#187;yes&#187; css=&#187;&#187;][vc_column_text css=&#187;&#187;]Neben ausreichenden Nahrungsquellen sind auch in der N\u00e4he liegende, ruhige und gesch\u00fctzte Pl\u00e4tze wichtig, an denen die Brachv\u00f6gel gemeinsam die Nacht verbringen k\u00f6nnen. Die traditionell bekanntesten Schlafpl\u00e4tze liegen im Bereich der M\u00fcndung des Alpenrheins in den Bodensee, im Ermatinger Becken und im Flachwasser zwischen Arbon und Egnach. Die V\u00f6gel stehen dabei nicht selten bis zum\u00a0 Bauchgefieder im Wasser. Das Aufsuchen dieser Schlafpl\u00e4tze steht in Abh\u00e4ngigkeit vom Wasserstand. Bei einem Wasserstand von \u00fcber 340cm (Pegel Konstanz) sind die meisten Flachufer als Schlafplatz nicht mehr benutzbar. Dasselbe geschieht auch bei einer Vereisung der Uferzonen, so, wie das im Moment der Fall ist. Aussergew\u00f6hnlich ist daher die Annahme der Eisfl\u00e4che als Schlafplatz, wie das bereits in fr\u00fcheren Wintern (z. B. 2003) bei Frasnacht-Egnach TG gesehen wurde. Am 04.02.2012 versammelten sich nach 17:15 Uhr 545 Grosse Brachv\u00f6gel auf dem Eis bei Frasnacht, und dies bei Temperaturen um -8\u00b0C und einer sehr starken Bise von 4-6 Beaufort. Dabei kamen innerhalb einer Stunde kleinere und gr\u00f6ssere Trupps von Westen und Osten tief angeflogen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\" data-carousel-extra=\"{&quot;blog_id&quot;:1,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\\\/\\\/shorebirder.blog\\\/2012\\\/02\\\/11\\\/uberwinternde-grosse-brachvogel-am-bodensee-im-banne-von-frost-und-nahrungsdruck\\\/&quot;}\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><\/figure>\n<\/figure>\n<p>[\/vc_column_text][vc_single_image image=&#187;7201&#8243; img_size=&#187;full&#187; add_caption=&#187;yes&#187; css=&#187;&#187;][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_single_image image=&#187;7198&#8243; img_size=&#187;full&#187; css=&#187;&#187;][vc_column_text css=&#187;&#187;] \u00dcberwinternde Grosse Brachv\u00f6gel am Bodensee im Banne von Frost und Nahrungsdruck Am 01.02.2012 wurde das bis dahin recht milde Winterwetter abrupt durch nach Mitteleuropa einfliessende Polarluft abgel\u00f6st. 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